World Klapp: Klamauk und Kampfgeist

“Pain is temporary. It may last a minute, or an hour, or a day, or a year, but eventually it will subside and something else will take its place. If I quit, however, it lasts forever.”

Lance Armstrong

 

Nostalgische Klappräder, quietschbunte Kostüme und mächtige Oberlippenbärte: Auf den ersten Blick hat man beim „World Klapp“ nicht das Gefühl, einer echten Sportveranstaltung beizuwohnen. Weit gefehlt! Die Teilnehmer nehmen ihren Sport absolut ernst – ohne Wenn und Aber!

Das Regelwerk des World Klapp

Die Regeln, die die Piloten beim World Klapp beherzigen müssen, sind schnell erklärt und werden von Veranstaltern und Teilnehmern gleichermaßen strikt befolgt:

Zunächst einmal müssen die Räder, mit denen die Fahrer antreten, gewissen Grundvoraussetzungen entsprechen: Die Piloten starten auf mindestens 30 Jahre alten 20 Zoll Klapprädern ohne Gangschaltung. Die Räder werden von den offiziellen Prüfern, Dr. Klapp und dem 20-Zoll-Beamten, streng unter die Lupe genommen.

Auch die Aufstellung der Teams erfolgt unter der Einhaltung strikter Regeln: Ein Team besteht aus vier Radlern, die alle topgestylt zu erscheinen haben. Topgestylt bedeutet: in einem 70er-Jahre-würdigen Outfit und auf jeden Fall mit Oberlippenbart! Ganz nach dem Motto „Bart aber fair“ ist ein imposanter Oberlippenbart Pflicht, um antreten zu dürfen. Das gilt auch für Frauen! Da es diesen für gewöhnlich an üppigem Bartwuchs mangelt, gibt es auch die Möglichkeit, sich von den Prüfern eine „Bartunfähigkeitsbescheinigung“ ausstellen zu lassen. Auch Männer, denen es an ausreichendem Bartwuchs mangelt, können darauf zurückgreifen. Die Bart-Kontrolle wird dabei für gewöhnlich in die vertrauenswürdigen Hände des Amtsfriseurs gegeben.

Was nach Klamauk und viel Show aussieht, ist dennoch nur durch langes und hartes Training im Vorfeld möglich. Und die antretenden Bartträger-Teams nehmen die ganze Angelegenheit zwar sportlich, aber mit dem notwendigen Ernst und Kampfgeist.

Es werden Runden bzw. ein Parcours abgefahren und welches Team letztlich die meisten Runden gefahren ist, gewinnt den „World Klapp“. 2014 lief das in Berlin wiederum anders ab: Hier galt es, drei Runden auf der 1,8 Kilometer langen Strecke, die die Veranstalter liebevoll „Merkelraute“ getauft haben, in möglichst guter Zeit zu absolvieren. Die Strecke führte unter anderem am Brandenburger Tor und am Reichstag vorbei. Für die Auswertung war jeweils die Zeit des drittschnellsten eines jeden Vierer-Teams entscheidend.

Sportsgeist und ganz viel Show

Der World Klapp zieht jedes Jahr große Zuschauerzahlen an, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass das Sport-Event eben auch eine große Show ist, bei der es für jeden etwas zu sehen gibt.

Natürlich kommen in erster Linie Fahrrad-Fanatiker und Fans der 70er Jahre auf ihre Kosten, denn das gesamte Sportereignis weckt Erinnerungen an diese Zeit, doch auch jenseits von ABBA und bunten Kostümen ist die Veranstaltung ein wahres Spektakel. Die Verkündung des Regelwerks, die Prüfung der Bärte, der Auftritt des Schirmherrn des World Klapp, Togbui Ngoryifia Céphas Kosi Bansah, des ghanaischen Königs, der in Ludwigshafen eine Autowerkstatt betreibt – all das wird mit einer guten Prise Humor absolviert. Langweilig wird es jedenfalls bestimmt nicht, wenn die Klappradfahrer auflaufen. Und wer mit all dem damit nichts anfangen kann, findet bestimmt Gefallen am Rahmenprogramm, etwa den parallel zum Rennen aufgeführten Music-Acts etc.

Team klABBA

Seinen Ursprung hat die wieder auflebende Begeisterung für das Klappradfahren im Übrigen in der Pfalz: Der „Pfälzer Klappradverein e.V.“ fördert seit Jahren das Klappradfahren und – nach eigenen Angaben – auch die Völkerverständigung. So verwundert es nicht, dass Spargelbaron und lebende Klappradlegende Alfons V., der mit bürgerlichem Namen eigentlich Marc Glaser heißt und von Beruf Steuerberater ist, aus Schifferstadt stammt. Sein Team „klABBA – The winner takes it all“ besteht aus:

IMG_7205_klABBA

A = Alfons V. (Teamkapitän)
B = Blauer Reiter/Frank F./V.V.
B = Binford Banesto
A = Axel Rabe

 

Sie alle haben sich dem Klapprad und dem Stil und Style der 70er Jahre verschrieben und nehmen jedes Jahr konsequent und sehr erfolgreich an den jeweiligen World Klapps teil.

Mit viel Humor, Spaß an der Sache und dem „pfälzischen Fairness-Gelübde“ auf den Lippen treten sie auch dieses Jahr wieder an – beim H.T. Borstenson World-Klapp – 24 Heures Le Schopp  vom 14.-15. Mai 2016, dem 5. World Klapp. Und auch wenn alle Teilnehmer mit viel Spaß bei der Sache sind, darf man nicht vergessen, dass auch hier jedes Team gewinnen will. Zum einen, weil für den World Klapp hart trainiert wird und der Sport sehr ernst genommen wird, zum anderen, weil der Preis für den Erstplatzierten jedes Mal eine Attraktion für sich ist.

2015 wurde dem ersten Platz der „Horst“ verliehen, eine Statue, die aus Fahrradteilen und Werkzeug zusammengebastelt und von einem Fallschirmspringer am Austragungsort abgeliefert wurde. Im Jahr davor, als der „World Klapp“ in der Hauptstadt ausgetragen wurde, wurde sie von einem Pfälzer Künstler individuell gestaltet und angefertigt: Anlässlich des Austragungsortes war der Preis diesmal der „Oberlippenbär“ oder der Einfachheit halber auch „Oliba-Bär“, ein großer Bär auf einem Klapprad mit Medaille um den Hals, der natürlich, wie es sich gehört, einen gewaltigen Schnurrbart trägt. Alfons V., der auch Mitorganisator des World Klapp 2014 war, ist von der Bärenstatue begeistert. Er bedauert lediglich, dass man aus ihr keinen Champagner trinken kann.

IMG_7204-1_Alfons V.

Das Besondere am World Klapp 2014 war natürlich, dass man mit Berlin einen Austragungsort ergattern konnte, der weit mehr Zuschauer anlockte als die Pfälzer Austragungsorte je aufbieten konnten. Außerdem war die Route („Merkel-Raute“) geradezu ein politischer Hindernis-Parcours, wie Alfons V. mit einem Augenzwinkern schildert:

 

„Wir starten von der steilen Ramsauer-Rampe, gehen mit Hochgeschwindigkeit in die Schäuble-Schikane, erhöhen das Tempo in der Steinmaier-Speedway, fahren am Tebartz-Turm vorbei, den Anstieg der Wester-Welle, um die Kanzler-Kurve auf die Gauck-Gegen-Gerade bis zur Wowereit-Wulff-Wende, dann runter zum Einheits-Eck. Aus Sicherheitsgründen entfällt das Nahles-Öhr.“

 

Wie bereits im Jahr 2015 geschehen, wird das Rennen auch 2016 wieder über 24 Stunden ausgetragen. Die Fahrer eines Teams treten jeweils nacheinander an und versuchen gemeinsam, möglichst viele Runden zu drehen und damit ein gutes Schlussergebnis zu erringen. Und auch dieses Jahr wird das Rennen wieder in Schopp ausgetragen werden. Alfons V. blickt dem Rennen zuversichtlich entgegen, obwohl er im letzten Jahr sogar einen kompletten Rahmenbruch erlitten hat. Erstaunlich: Trotzdem ergatterte er mit seinem Team klABBA den 6. Platz in der Endwertung. Wir wünschen ihm, seinem Team und natürlich auch allen anderen Teilnehmern viel Erfolg beim diesjährigen World Klapp, viel Spaß und dass der Rahmen hält.

 

Die Geschichte des World Klapp:

2012, 2013 Ludwigshafen Friesenheim

2014 Berlin

2015, 2016: Schopp (24-Stunden-Rennen)

 

“The five S’s of sports training are: stamina, speed, strength, skill, and spirit; but the greatest of these is spirit.”

Ken Doherty

 

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2 Jahren ago
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